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Die Verschiebung der Kräfteverhältnisse in der Welt

Während 149 Länder bei der Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation in Hongkong erfolglos daran arbeiteten, den Welthandel zu öffnen, fuhren die asiatischen Staaten ihren eigenen Kurs. Im Schatten der Hongkonger WTO-Konferenz hat sich Ende 2005 ein ostasiatischer Staatenbund formiert, der sich zu einer „Ostasiatischen Gemeinschaft“ fortentwickeln will, was begrifflich sehr stark an die mittlerweile zur Europäischen Union gereifte „Europäische Gemeinschaft“ erinnert.
Unter dem Banner des „Ostasiengipfels 2005“ hatten sich erstmals 16 Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Volkswirtschaften und der politisch einflussreichsten Länder der Region zusammengetan, darunter China, Indien und Japan. Das erklärte Ziel ist es, „Frieden, Stabilität und wirtschaftlichen Wohlstand in Ostasien zu fördern“, die wirtschaftliche Verflechtung des Kontinents zu beschleunigen und durch einen politischen Rahmen abzusichern. Insbesondere Japan drängt auf die Schaffung einer ostasiatischen Freihandelszone mit der ASEAN unter Einschluß von China, Indien, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland.
Das Scheitern der Verhandlungen für einen neoliberalisierten Welthandel treibt die Asiaten zum Schulterschluß. Die Wirtschafts- und Handelsminister der „Association of South East Asian Nations“ ASEAN haben 2006 beschlossen, die Bildung eines asiatischen Binnenmarktes um fünf Jahre auf 2015 vorzuziehen. Das mittlerweile auf zehn Mitglieder angewachsene Wirtschaftsbündnis will wie die Europäische Union zu einem Binnenmarkt ohne Zollschranken, der „Asian Economic Community“ zusammenwachsen. Die Länder der ASEAN sind mit 560 Millionen Einwohnern deutlich größer als das erweiterte Europa und haben inzwischen untereinander ein Handelsvolumen, das bei etwa zwei Drittel Chinas liegt, das fast doppelt so viele Einwohner zählt.


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